Alec von Graffenried

«Als Mitglied der Stadtregierung weiss ich um meine Verantwortung. Ich weiss, dass jeder Entscheid zwei Seiten hat und jeder Beschluss Gewinner und Verlierer produziert. Dieses Bewusstsein hat viel damit zu tun, dass ich mit zwei Tageszeitungen aufgewachsen bin, mich als Politiker stets den Fragen zweier starker Redaktionen stellen musste und mich tags darauf über zwei unterschiedliche Standpunkte freuen oder eben ärgern konnte.

Mit der Zusammenlegung der Redaktionen von Bund und BZ würde dieses Klima verändert. Gerade bei emotional aufgeladenen Themen – die Reitschule, die Pandemie, die Klimaproteste, die Finanzen – wäre es fatal für die politische Debatte, wenn künftig nur noch aus einem Blickwinkel berichtet würde. Natürlich, es stimmt – diese Dienstleistung für den demokratischen Diskurs wirft heute kaum mehr Gewinn ab. Die Frage, die wir uns aber stellen müssen ist: Welchen Preis zahlen wir und zahlt die Demokratie, wenn wir hier weiter abbauen?

In Zeiten, da sich die Menschen immer mehr in ihre Bubbles zurückziehen, brauchen wir keine immer stärker werdenden Meinungsmacher. Wir brauchen mehr Differenzierung, mehr Debatte, mehr kritische Recherche. Sonst gefährden wir längerfristig nicht nur unser politisches Klima, sondern auch das Vertrauen in die Politik – und nicht zuletzt die Medien selbst.»

Alec von Graffenried
Stadtpräsident von Bern (GFL)